Rehabilitationsklinik Bad Wurzach
Fachklinik für Orthopädie, Neurologie und Altersmedizin
 
 
 
 

REHAKOLUMNE

Planspiel & Standesdünkel

Berlin - Die großen Parteien raufen sich zusammen. Nachdem im Wahlkampf konkrete Gesundheitspolitik kaum eine Rolle gespielt hat, werden nun wieder Allgemeinplätze vor laufender Kamera verkündet. Mehr Pflegekräfte fordern unsere Politiker. Und: ein Ende des Pflegenotstandes. Ja, das wünschen sich die Kliniken auch. Wie das gehen soll, verrät jedoch niemand der gewählten Volksvertreter.  
Aber Ideen haben alle bereits, was man mit dem Mehr an Pflegekräften machen sollte. Personaluntergrenzen müssen nämlich her. Damit lässt sich der Pflegenotstand sicher eindämmen, glauben Berliner Theoretiker. Mal abgesehen davon: woher nehmen? ändert die Menge an eingesetztem Personal wirklich etwas an der Qualität der Patientenversorgung?   
  
Wäre es nicht sinnvoller, zunächst zu schauen, welche Aufgaben zum Beispiel Pflegekräfte im Alltag miterledigen, die so gar nichts mit dem praktischen Dienst am Kranken zu tun haben? Die sich – wie der Blick nach Europa zeigt – unkompliziert an andere Berufsgruppen ausgliedern lassen? Damit mehr Zeit für echte Pflegetätigkeit bleibt?!   
  
Die Ergebnisqualität sollte der Maßstab sein, nach der der Erfolg einer Reha beurteilt wird, nicht die Menge an kostbaren Pflegekräften, die Verwaltungsaufgaben erledigen. Dabei darf die Politik ruhig einen Rahmen vorgeben – der sollte jedoch nicht die Kostenträger ermutigen, Personaleinsatz bis auf die Zehntelstelle nach dem Komma festzuschreiben.   
  
Beinahe überschlagen sich nun die Meldungen, was Hilfsprogramme für die Pflegeberufe in Krankenhäusern und Altenpflegeeinrichtungen betrifft. Das ist wirklich begrüßenswert: Mehr Pflegefachkräfte und höheres Gehalt für alle. Bezahlt werden soll das von den Kranken- und Pflegekassen, also von jedermann. Vergessen wird bei diesen Planspielen allerdings die Rehabilitation. Sie taucht in den Finanzierungsprogrammen der Pflegehilfsaktionen nicht auf. Dort steigen die Gehälter dann natürlich auch – zu Recht. Aber wie soll das von den Rehakliniken finanziert werden?  
  
Sicher, ein Mehr an Geld ist für die Attraktivität des Pflegeberufes wichtig. Zukunftsorientierung kann darüber hinaus auch bedeuten, den Beruf interessant zu gestalten und Abwechslung zu bringen. Anspruchsvolle Arbeitsaufgaben vertiefen bei Pflegekräften – und Ärzten - die Bindung an Beruf und Arbeitsplatz. Hier müssen wir innovativ werden – und den Standesdünkel der Bremser aus den Fachgesellschaften überwinden. Wenn es uns nicht gelingt, Berufsbilder zu entrümpeln, neue Berufe in die Kliniken zu integrieren und Fachgesellschaften zu helfen, über ihren Schatten springen, werden wir das schreckliche Wort „Mängelberuf“ noch viel häufiger als Umschreibung für Pflege – und Arztdienst - in den Schlagzeilen lesen müssen.   
  
Artikel aus: Führen und Wirtschaften, März 2018  
  
 
  
  
Veröffentlicht am: 27.03.2018  /  News-Bereich: News des Klinikverbundes
nach oben
Artikel drucken